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CVJM Baden Aktuell

Als FSJler in Bulgarien

Wir als JUMP und einige des CVJM Linkenheim haben dieses Jahr im Februar für eine Woche eine Roma-Gemeinde in Plowdiw, Bulgarien, besucht. Die Begegnung mit diesen offenen und gastfreundlichen Menschen war eine richtig gute und wertvolle Erfahrung für uns alle.

 

Sobald wir im Flughafen in Sofia ankamen, haben uns vier der Roma aus der Gemeinde „new generation“, wie sie sich nennen, empfangen und mit ihren Privatautos nach Plowdiw gefahren und direkt zum Essen eingeladen. Trotz Kommunikationsschwierigkeiten, da nur sehr wenige in der Gemeinde Englisch oder Deutsch konnten, haben wir uns direkt willkommen gefühlt und auch wenn ich insbesondere etwas Bedenken gegenüber der Reise gehabt hatte, weil wir uns auf nichts im Voraus einstellen konnten, waren diese Bedenken ab diesem Moment weg.

 

Am ersten ganzen Tag haben wir zwei der Gottesdienste von "new generation" besucht und wurden direkt in deren Kultur mit hineingenommen. Auf den ersten Blick war alles sehr lebendig, intensiv und laut. Uns wurden Plätze in den ersten Reihen zugewiesen und Wasser an uns ausgeteilt. Während des Lobpreises standen alle, sangen laut mit. Die Band, die aus Klavier, Schlagzeug, Gitarre, Bass und Gesang bestand, machte ordentlich Stimmung. Man hörte auch viele zwischendurch laut beten und Gott preisen. Man hat gespürt, dass Gott anwesend ist und mit ihnen feiert. Diese Lebendigkeit in deren Glaubens zu sehen und zu spüren war richtig schön. Nach 1 ½ Stunden ging der Lobpreis in die Predigt über, die mit sehr viel Inbrunst und Wiederholungen gehalten wurde und allein dadurch bewegend klang, auch wenn wir trotz Übersetzern eher wenig verstanden haben. Schade fanden wir, dass während dem Gottesdienst keine Frau auf der Bühne zu sehen war und in den Reihen Frauen und Männer eher getrennt saßen. Als der Gottesdienst vorbei war, kam gefühlt die halbe Gemeinde auf uns zu, gab uns die Hand, segneten uns oder stellten sich vor. Alle waren sehr herzlich und neugierig.

 

 

Der Abendgottesdienst, den wir am selben Tag auch besuchten, lief ähnlich ab. Wobei dort noch mehr Teens und Jugendliche dabei waren, die während des Lobpreises tanzten und am Ende sogar auf die Bühne strömten und dort feierten. Den Gottesdienst „feiern“ wurde dort wörtlich genommen, was mir persönlich richtig gut gefallen hat und was ich auch gerne mehr in Deutschland sehen würde.  Außerdem kamen nach der Predigt spontan Leute aus der Gemeinde nach vorne, um für sich beten oder sich segnen zu lassen. Der Pastor fing an und die ganze Gemeinde stimmte mit eigenen Gebeten mit ein. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie lebendig sie ihren Glauben leben und auch füreinander als Gemeinde da sind.

Uns haben sie auch direkt in diese Gemeinschaft mit aufgenommen, denn als eine aus unserer Gruppe an einem der ersten Tage mit ihrem Fuß umgeknickt ist, kamen am selben Abend nach einer Veranstaltung zwei Jugendliche der Gemeinde zu ihr und sagten, sie wollen für ihren Fuß beten. Sobald sie angefangen hatten, kamen noch mehr, stellten sich dazu und beteten mit für sie. Da wurde mir richtig bewusst, was es bedeutet, Geschwister im Glauben zu haben. Wir kannten diese Leute seit ein paar Tagen und sie haben uns mit offenen Armen empfangen, beteten für uns und nahmen Anteil. Man hat gemerkt, dass uns alle etwas bzw. jemand verbindet. Dieser Jemand ist Jesus und er war auf der ganzen Reise spürbar unter uns.

 

In den nächsten Tagen wurden wir zu anderen Events der Gemeinde oder zum Essen gehen immer von ein paar der Roma vor unserem Hostel eingesammelt und dort hingefahren. Auf den Autofahrten verständigten wir uns mit Übersetzer-Apps oder mit brüchigem Englisch oder Deutsch. Wir fanden schnell Themen wie Fußball oder Filme, über die wir uns unterhalten und uns besser kennenlernen konnten. Allerdings haben wir durch die Autofahrten auch mitbekommen, wie die Romas diskriminiert wurden, denn an der Schranke zur Altstadt, in der unser Hostel lag, wurden sie fast immer aufgehalten. Erst nach ein paar komischen Blicken oder auch Diskussionen ließen sie uns durch, obwohl nichts dagegengesprochen hatte, uns weiter fahren zu lassen. Nach einer dieser Situationen, in der wir alle wütend auf einen Bulgaren an der Schranke waren, der uns nur sehr widerwillig durchgelassen hatte, sagte ein Roma nur „God bless him“ (Gott segne ihn). Ganz nach dem Motto: „Liebt eure Feinde“, was sehr beeindruckend war.

 

An einem der letzten Tage sind wir noch nach Stolipinowo gegangen, ein großes Ghetto, in dem sehr viele Roma in kleinen, eher zusammengebastelten Häusern und Hütten dicht an dicht lebten. Dort wurde uns noch einmal bewusst, wie der Alltag tatsächlich bei den Leuten aussah, die wir in den letzten Tagen hatten kennenlernen dürfen. Viele von ihnen besaßen kleine Lebensmittelläden oder Barber Shops, die aus nur einem Raum bestanden. Etwas paradox war, dass die meisten von ihnen Handys und Autos besaßen, die nicht gerade billig waren und dann im Gegensatz dazu deren Lebensverhältnisse zu sehen, war sehr eindrücklich. Doch auch an diesem Ort haben wir sehr offene und herzliche Menschen kennengelernt und man hat gemerkt, dass die Roma das Leben in enger Nachbarschaft und im Miteinander auch schätzen. Durch die Ausgrenzung, die sie erleben, werden sie zum einen dazu gedrängt, separat von den Bulgaren in den Ghettos zu leben, andererseits stärkt das aber ihren Zusammenhalt. Doch die Diskriminierung macht ihnen auch sehr zu schaffen und es stecken leider sehr viele eingebrannte Vorurteile und schlechte Erfahrungen dahinter, die eine immer größer werdende Barriere zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen schafft. Natürlich hoffen wir, dass sie eines Tages überwunden werden kann, aber es wird sehr schwer.

 

Wir sind sehr dankbar für diese Reise und dass sie uns die Realität unserer Brüder und Schwestern im Glauben in Bulgarien gezeigt hat. Wir können noch viel von den Menschen dort lernen, wünschen ihnen nur das Beste und bleiben in Kontakt.

 

Caro Stein

 

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